Umweltlexikon-aktuell.de | Gesundheit  | Artikel Nr.: 978

Stichwort: "Bleivergiftung" in der Rubrik Gesundheit



Chemisches Element der IV. Hauptgruppe, Symbol Pb (lat.: plumbum), Ordnungszahl 82, Schmelzpunkt 327,5 Grad C, Siedepunkt 1.744 Grad C, Dichte 11,34 g/cm3, an frischen Schnittstellen bläulich glänzendes, weiches (mit dem Fingernagel ritzbares) Schwermetall (Metall), MAK-Wert 0,1 mg/m{h3.}

Vier radioaktive Isotope von B. treten in den natürlichen Zerfallsreihen auf (Radioaktivität, natürliche Strahlenbelastung).

Die natürlichen B.-Konzentrationen wurden in den letzten Jahrzehnten zunehmend von durch den Menschen verursachten Belastungen überlagert. Dadurch können insbesondere Ungeborene und Kleinkinder gefährdet sein. Hauptaufnahmequelle für den Menschen ist die Nahrung, daneben kann auch die Atemluft und bei Kindern zusätzlich das Verschlucken bleihaltiger Stäube und Farben eine wichtige Rolle spielen (EN 71).

Eingeatmeter Staub wird zu etwa 30 bis 50 Prozent in der Lunge festgehalten, ein großer Anteil davon wird im Blutstrom gelöst (resorbiert). Die Resorption im Magen-Darm-Trakt liegt im allgemeinen bei 5 bis 10 Prozent, bei Kindern bis zu 50 Prozent. Calcium- und Vitamin-D-Mangel erhöhen die B.-Resorption im Magen-Darm-Trakt. Die täglich resorbierte B.-Menge beträgt durchschnittlich 26 bis 42 µg. Dieser Wert kann je nach Bevölkerungsgruppe stark variieren und ist nur ein grober Anhaltswert. Etwa 90 Prozent der im Körper vorhandenen B.-Menge befindet sich in den Knochen, bei Kindern um 60 bis 70 Prozent.

Die biologische Halbwertszeit in den Knochen beträgt etwa zehn Jahre. Die in den Knochen deponierte B.-Menge nimmt mit dem Alter zu und beträgt im Alter von 30 bis 40 Jahren (Plateauphase) bei beruflich nicht belasteten Personen etwa 80 bis 200 mg. B. durchdringt die Placenta und gelangt so in den embryonalen Blutkreislauf. In geringem Umfang, besonders bei Kindern, passiert B. auch die Blut-Hirn-Schranke. Muttermilch enthält geringe B.-Mengen.

Akute und chronische B.-Vergiftung: Bleivergiftung
Zur Erfassung der B.-Belastung dient die Blutuntersuchung. Da Toleranzwerte für Arbeitsstoffe (BAT-Wert) für die Allgemeinbevölkerung indiskutabel sind, fordern Umwelttoxikologen einen Sicherheitsfaktor 10 zu den BAT-Werten. Blutbleiwerte sollten 15 µg/100 Milliliter, bei Schwangeren und Kindern 7 µg/100 Milliliter nicht überschreiten.

Der höhere Blutbleiwert von 15 µg/100 Milliliter stützt sich auf die Vermutung, daß aufgrund tierexperimenteller Befunde und epidemiologischer Studien möglicher Wirkungen des B. auf den menschlichen Organismus keine wesentlichen Gesundheitsschäden zu befürchten sind, aber insb. bei Risikogruppen auch nicht ausgeschlossen werden können.

Bereits bei einer Blutbleikonzentration von 50 bis 60 µg/100 Milliliter treten depressive und feindselige Verhaltensweisen sowie Störungen des Allgemeinbefindens auf. Das bedeutet, daß für bleibelastete Arbeiter mit einem BAT-Wert von 70 µg/100 Milliliter Blut bzw. 45 µg/100 Millilter für Frauen Gesundheitsgefährdungen in Kauf genommen werden. Wahrscheinlich gibt es Zusammenhänge zwischen vorgeburtlicher und/oder frühkindlicher B.-Belastung und Intelligenzminderung, Minderung der Lernleistung, Störungen der Bewegungsabläufe und Verhaltensstörungen (Hyperaktivität).

Als Folge der globalen Umweltbelastung ist B. ein allgegenwärtiger Bestandteil aller pflanzlichen und tierischen Nahrungs- und Futtermittel. Pflanzliche Nahrungsmittel enthalten i.a. mehr B. als tierische. Bei Schlachttieren enthalten Leber und Niere die höchsten B.-Mengen.

Die B.-Konzentration der Luft ist von 1973 bis 1990 auf knapp ein Zehntel abgesunken und lag 1990 in den alten Bundesländern bei etwa 25 ng/m3. Wenig B. enthalten Milch, Fleisch, Eier, Fruchtsäfte, Bier, Weizen, Roggen und Kartoffeln, vergleichsweise mehr enthalten Schweineleber, Wein, Süßwasserfisch, Frucht- und Sproßgemüse, relativ viel B. enthalten Rinder- und Kalbsleber, Blatt- und Wurzelgemüse sowie Beerenobst. Trinkwasser enthält im Durchschnitt wenig B.. B.-Wasserleitungen zusammen mit weichem Wasser können dagegen zu hohen B.-Konzentrationen führen (Bleirohre). Bei hartem Wasser kann sich eine Schicht aus basischem B.-Karbonat bilden, die B.-Ablösungen ins Trinkwasser behindert.

Grenzwerte:
Trinkwasser: 40 µg/Liter; ab 1. Dezember 2003: 25 µg/Liter, ab 1. Janaur 2013: 10 µg/Liter nach der neuen Trinkwaserrichtverordnung
Luft: MIK (nach VDI-Richtlinie 2310): 2 µg/m3.
TA-Luft: 5 mg/m3Emission
TA-Luft: 2 mg/m3Immission
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Stand: 13. Februar 2012
Erstellt: 13. Februar 2012

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