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Stichwort: "GAU" in der Rubrik Weiteres / Sonstiges



Abk. für größter anzunehmender Unfall, auch: Auslegestörfall.

Der G. ist der größte technische Störfall, für den die Sicherheitseinrichtungen eines Kernkraftwerks ausgelegt sind. Dem Konzept nach ist der G. durch automatisch arbeitende Sicherheitssysteme beherrschbar und eine radioaktive Belastung der Umwelt, die über den zulässigen Grenzwerten (Strahlenschutz) liegt, vermeidbar. Für einen Leichtwasserreaktor (Kernkraftwerk) ist der G. der Bruch einer Hauptkühlleitung. Ein solcher Bruch unterbricht die notwendige Kühlung des Reaktorkerns (Kernreaktor), ohne die ein Verbiegen, Bersten und Schmelzen der Brennstäbe (Brennelement), verbunden mit hohen radioaktiven Abgaben, unvermeidbar ist. Um dies zu verhindern, werden zum Abschalten des Reaktors Abschaltstäbe zwischen die Brennstäbe gefahren und zur Abfuhr der Nachzerfallswärme das mehrfach ausgelegte Notkühlsystem in Betrieb gesetzt. Kritiker befürchten, daß das Notkühlsystem nicht in allen Fällen funktioniert und auch bei beherrschtem G. über den Grenzwerten liegende radioaktive Abgaben an die Umwelt möglich sind.
Der denkbar größte, nicht mehr beherrschbare Unfall, bei dem es zum Schmelzen des Reaktorkerns kommt, heißt Super-G.:
Setzt im obigen Fall die Notkühlung nicht ein, kann der gesamte Reaktorkern innerhalb weniger Minuten die Temperatur von über 1.000 Grad erreichen und schließlich bei 2.000 bis 3.000 Grad C schmelzen. Knallgasexplosionen infolge der Freisetzung von Wasserstoff können den Sicherheitsbehälter beschädigen. Nach einer Stunde hat im schlimmsten Fall der einige 100 t schwere, geschmolzene Kern alle Schutzeinrichtungen durchdrungen und sinkt in den Erdboden ein. Beim Schmelzen und Eindringen in den Boden werden große Mengen radioaktiver Substanzen an Luft und Wasser abgegeben. Der Super-G. und seine verheerenden Folgen können auch durch das Bersten des Reaktordruckbehälters (Berstschutz), Sabotage, Erdbeben, Kriegseinwirkung oder Flugzeugabstürze ausgelöst werden.
Wahrscheinlichkeit für das Auftreten des Super-G.: Nach der deutschen Risikostudie von 1979 (Phase A) ist alle 10.000 Reaktorjahre ein Kernschmelzunfall mit radioaktiver Belastung der Umwelt zu erwarten, allerdings nur alle 1 Mio Reaktorjahre ein Kernschmelzunfall mit mehreren akuten Todesfällen (akute Strahlenschäden). Kritiker bezweifeln diese Zahlen und weisen auf zahlreiche methodische Fehler und Ungenauigkeiten der Studie hin. Sie rechnen alle 1.000 Reaktorjahre mit einem Kernschmelzen und alle 11.000 Reaktorjahre mit einem Kernschmelzen, begleitet vom Austritt großer Mengen Radioaktivität und akuten Todesfällen, d.h., beim Betrieb von derzeit weltweit ca. 300 Kernkraftwerken ist durchschnittlich alle 30 Jahre ein schwerer Unfall mit zahlreichen Todesfällen zu erwarten.
Auswirkungen des Super-G.: Die deutsche Risikostudie nimmt beim schlimmsten Unfallablauf 15.000 akute Todesfälle und 100.000 Spätschäden (somatische Strahlenschäden) an, während Kritiker von ca. 300.000 Todesfällen (einschließlich Toten infolge von Spätschäden) und jahrzehntelanger Verseuchung ganzer Landstriche ausgehen. Einig ist man sich darüber, daß der schwerste Unfall beim Schnellen Brüter weitaus größere Folgen haben wird als beim hier betrachteten Leichtwasserreaktor.
Die 1989 von der Geaells{h~Ft für Reaktorsicherheit vorgelegte Deutsche gisikostudie Phase B kommt zu dem Ergebnis, daß schwere Unfälle mit radioaktiver Belastung der Umwelt nur noch alle 33.000 Reaktorjahre zu erwarten seien. Kritiker vom Öko-Institut Darmstadt halten dies für Augenwischerei. Die Wahrscheinlichkeit für besonders schwere Unfälle sei sogar höher als in der ersten Studie. Außerdem zeige die Studie, daß bei schweren Unfällen die Freisetzung großer Mengen Radioaktivität sehr viel schneller vonstatten gehe als bislang angenommen. Allgemein wird kritisiert, daß in Phase B keinerlei Unfallfolgerechnungen durchgeführt wurden.
Schwerste bisherige Kernkraftwerksunfälle: 1986 Super-G. im russischen Kernkraftwerk Tschernobyl. 1979 Fast-Super-G. im US-Kernkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg.
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Stand: 2. Juli 2004
Erstellt: 14. Mai 2001


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