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Umweltlexikon-aktuell.de | Weiteres, Sonstiges  | Artikel Nr.: 694

Stichwort: "Silikose" in der Rubrik Weiteres / Sonstiges

Die S. ist eine Staublungenerkrankung (Pneumokoniose) mit einer Bindegewebsneubildung.
Sie tritt als Folge der bindegewebsbildenden und bindegewebslösenden Wirkung der freien kristallinen Kieselsäure (SiO2) auf. Die S. kann auch als Folge der Einwirkung des Silikates Asbest (Asbestose) mit ähnlicher Wirkung auftreten. Zu unterscheiden sind die Quarzstaublunge (= reine S.) und die Mischstaublunge (= Misch-S.), v.a. der Kohlenbergarbeiter, der Eisenerzbergarbeiter (Siderose). Quarz ist häufig in mineralischen Mischstäuben enthalten, z.B. in Kohlenstaub und Talkum. Von der S. grundsätzlich zu unterscheiden sind die sog. Lungenverstaubungen mit einer mehr oder weniger reaktionslosen Staubeinlagerung in das Lungenzwischengewebe. Voraussetzung für die Entwicklung einer S. ist eine entsprechend lange Einwirkung einer ausreichenden Konzentration quarzhaltigen Staubes. Dieser Staub muß so fein sein, daß er bis in die Lungenbläschen vordringen kann. Mineralische Stoffe, welche freie kristalline Kieselsäure enthalten, werden im Bergbau, der Stein-, Kies- und Sandindustrie gewonnen. Ihre weitere Be- und Verarbeitung erfolgt in zahlreichen Industrie- und Gewerbezweigen; so z.B. in der keramischen, der Eisen- und Stahlindustrie, im Baugewerbe, in der feinmechanischen und elektrotechnischen sowie der chemischen Industrie.
Die S. ist auch heute noch die häufigste aller Staublungenerkrankungen (Pneumokoniosen). Sie ist eine fortschreitende Erkrankung, die nicht heilbar ist. Sie zeigt sich zunächst durch Atemnot, Reizhusten, Stechen auf der Brust oder Rücken. Sie führt durch Überlastung des Herzens und Einschränkung von Atmung und Kreislauf zum Tod. Dieser Prozeß kann Jahre dauern. Der Zeitraum zwischen Staubeinwirkung und Auftreten einer S. beträgt heute etwa 20 Jahre. Arbeitsplätze mit Einwirkung extrem hoher Quarzfeinstaubkonzentration (z.B. beim Behauen von Steinen, beim Sandstrahlen, beim Sägen feuerfester Steine sowie in der Scheuerpulverindustrie und im Stollenbau) können jedoch zu einer Früh-S. bzw. akuten S. führen, welche sich innerhalb von Monaten entwickelt und oftmals zum Tode führt. Eine gefährliche Komplikation der S. ist die aktive Lungentuberkulose, die sog. Silikotuberkulose. Etwa ein Zehntel der angezeigten S.-Fälle erkrankten auch an Tuberkulose. Beide Erkrankungen beeinflussen sich gegenseitig ungünstig. S. und Silikotuberkulose können zudem unter bestimmten Voraussetzungen zu Bronchialkrebs führen. Obwohl die S. und die Silikotuberkulose in den letzten Jahren erheblich zurückgegangen sind, wurden 1987 noch insgesamt 2.997 Fälle angezeigt (vgl. 1955: 23.000 angezeigte Fälle) und standen mit 18% an zweiter Stelle der erstmals entschädigten Berufskrankheiten (nach der Lärmschwerhörigkeit mit 27%). S. ist die am häufigsten auftretende Staublungenerkrankung unter den Berufskrankheiten. Die mittleren Gesamtkosten einer S.-Erkrankung werden mit etwa 250.000 DM beziffert. MAK-Wert für Quarzfeinstaub (Cristobalit, Tridymit): 0,15 mg/m3, für quarzhaltigen Feinstaub (1-4% Gewichtsanteile Quarz): 4 mg/m3.
Bergbau


Stand: 23. Februar 2012
Erstellt: 7. Mai 2001

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