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Umweltlexikon-aktuell.de | Substanzen und Werkstoffe  | Artikel Nr.: 944

Blei wird zur Herstellung von Akkumulatoren, Batterien, Kabelummantelungen, Rohren, Legierungen und Farben eingesetzt.

I. Geschichte
Blei war als Gebrauchsmetall bereits fürh bekannt und in Anwendung. Bereits Herodot berichtet, dass beim Brückenbau zur Befestigung von Eisen- und Bronzenklammern Blei eingesetzt wurde. In der frühen Bronzezeit war Blei das Metall schlechthin bis es weitgehend durch Zinn ersetzt wurde. Schon die Römer stellten Bleigefäße und Wasserleitungen aus Blei her. Das Blei gewannen sie durch Bergbau in Gallien, Britannien und Spanien. Besondere Bedeutung erlang die Bleiindustrie mit der Entwicklung der chemischen Industrie, der Maschinen- und Motorindustrie, die alle große Bleiabnehmer darstellten.

II. Gewinnung und Aufbereitung
Die größten Liefernaten für Blei sind auf dem Weltmarkt: USA, China, Australien und Peru. Blei wird im Tage- und teilweise auch Untertagebau aus Erzen gewonnen, die Bleiglanz, also Bleisulfid (PbS) enthalten. Bedeutende Bleimineralien sind Bleiglanz (Galenit, Pb S), Weißbleierz (Cerrusit, Pb Co³), Rotbleierz (Krokoit, Pb Cr O 4) sowie Grünbleierz (Pyromorphit). Auch das Recycling von bleihaltigen Gegenständen ist heute eine bedeutende Rohstoffquelle zur Bleigewinnung. Die Erze werden meist konzentriert und dann in Röst- und Sinteranlagen weiter aufkonzentriert (reduziert)- bis das sogenannte Werkblei entsteht, das noch Beimischungen von Silber, Zinn, Kupfer, Zink und Arsen in Höhe von bis zu 5 Gewichtsprozent enthalten kann. Am Ende der Aufbereitungsprozesse entsteht sogenanntes Weich- und Feinblei, das mit Reinheiten oberhalb von 99,9 Prozent vermarktet wird.

III. Marktsituation
Blei kommt sowohl als Metall, Legierungsbestandteil als auch in Verbindungen zum Einsatz. Im Jahr 2003 wurden fast drei Mio Tonnen Blei weltweit gewonnen und vermarktet. Wie viele andere Rohstoffe hat sich auch der Bleipreis innerhalb der letzte drei Jahre mehr als verdreifacht und fand seinen vorläufigen Höhepunkt mit fast 1.450 US$ je Tonne im Februar 2006.

IV. Umwelt und Gesundheit
Die natürlichen Blei-Konzentrationen wurden in den letzten Jahrzehnten zunehmend von durch den Menschen verursachten Belastungen überlagert. Hauptaufnahmequelle für den Menschen ist die Nahrung, daneben kann auch die Atemluft eine Rolle spielen. Die ubiquitäre Belastung der Umwelt ist auf die Verwendung von Alkyl-Bleiverbindungen als Zusatz zum Benzin zurück zuführen. Mit der Einführung von bleifreiem Benzin sind die Bleiemissionen von 1973 bis 1990 auf knapp ein Zehntel abgesunken und lag 1990 in den alten Bundesländern bei ca. 25 ng/m3.

Eingeatmeter Staub wird zu ca. 30 bis 50 Prozent in der Lunge festgehalten, ein großer Anteil davon wird im Blutstrom gelöst (resorbiert). Die Resorption im Magen-Darm-Trakt liegt im allgemeinen bei 5 bis 10 Prozent, bei Kindern bis zu 50 Prozent. Calcium- und Vitamin-D-Mangel erhöhen die Blei-Resorption im Magen-Darm-Trakt. Die täglich resorbierte Bleimenge liegt durchschnittlich bei 26 bis 42 µg. Dieser Wert kann je nach Bevölkerungsgruppe stark variieren und ist nur ein grober Anhaltswert. Etwa 90 Prozent der im Körper vorhandenen Bleimenge befindet sich in den Knochen, bei Kindern um 60 bis 70 Prozent. Biologische Halbwertszeit in den Knochen etwa zehn Jahre. Die in den Knochen deponierte Bleimenge nimmt mit dem Alter zu und beträgt im Alter von 30 bis 40 Jahren (Plateauphase) bei beruflich nicht belasteten Personen ca. 80 bis 200 mg. Blei durchdringt die Placenta und gelangt so in den embryonalen Blutkreislauf. In geringem Umfang, besonders bei Kindern, passiert Blei auch die Blut-Hirn-Schranke. Muttermilch enthält geringe Bleimengen.

Zur Erfassung der Blei-Belastung dient die Blutuntersuchung. Da Toleranzwerte für Arbeitsstoffe (BAT-Wert) für die Allgemeinbevölkerung indiskutabel sind, fordern Umwelttoxikologen einen Sicherheitsfaktor zehn zu den BAT-Werten. Blutbleiwerte sollten 150 µg/l, bei Schwangeren und Kindern 70 µg/l nicht überschreiten. Der höhere Blutbleiwert von 150 µg/l stützt sich auf die Vermutung, dass aufgrund tierexperimenteller Befunde und epidemiologischer Studien möglicher Wirkungen des Bleis auf den menschlichen Organismus keine wesentlichen Gesundheitsschäden zu befürchten sind, aber insbesondere bei Risikogruppen auch nicht ausgeschlossen werden können. Bereits bei einer Blutbleikonzentration von 500 bis 600 µg/l können depressive und feindselige Verhaltensweisen sowie Störungen des Allgemeinbefindens auftreten. Das bedeutet, dass für bleibelastete Arbeiter mit einem BAT-Wert von 700 µg/l Blut bzw. 300 µg/l für Frauen Gesundheitsgefährdungen in Kauf genommen werden. Wahrscheinlich gibt es Zusammenhänge zwischen vorgeburtlicher und/oder frühkindlicher Blei-Belastung und Intelligenzminderung, Minderung der Lernleistung, Störungen der Bewegungsabläufe und Verhaltensstörungen (Hyperaktivität).

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt die Gesamtbelastung mit Blei bei 25 µg/kg/Woche. Die Hauptbelastungsquelle mit Blei stellt für Nichtraucher die Ernährung dar. Pflanzliche Nahrungsmittel enthalten i.a. mehr Blei als tierische. Bei Schlachttieren enthalten Leber und Niere die höchsten B.-Mengen. Wenig Blei enthalten Milch, Fleisch, Eier, Fruchtsäfte, Bier, Weizen, Roggen und Kartoffeln, vergleichsweise mehr enthalten Schweineleber, Wein, Süßwasserfisch, Frucht- und Sprossgemüse, relativ viel B. enthalten Rinder- und Kalbsleber, Blatt- und Wurzelgemüse sowie Beerenobst.
Trinkwasser enthält im Durchschnitt wenig Blei. Wasserleitungen aus Blei können zusammen mit weichem Wasser dagegen zu hohen Blei-Konzentrationen führen (Bleirohre). Bei hartem Wasser kann sich eine Schicht aus basischem Blei-Karbonat bilden, die Blei-Ablösungen ins Trinkwasser behindert. Dass Bleileitungen im Haushalt heute noch das Trinkwasser belasten, hatte eine Studie der Abteilung Allgemeine Hygiene und Umweltmedizin der Universität Göttingen Mitte 2002 ergeben. Für Leitungswasser hat die World-Health-Organisation (WHO) als Richtwert eine maximale Konzentration von zehn Mikrogramm je Liter angegeben. Die Ergebnisse der Studie liegen zum Teil bei Werten bis zu 186 µg/l. In Berlin wurde etwa 10.000 Familien mit Kindern angeboten, ihr Trinkwasser auf Bleispuren hin zu untersuchen. Bei den beiden untersuchten Tagesprofilen hatten 5,6 Prozent beziehungsweise sieben Prozent aller Haushalte Bleiwerte über dem WHO-Wert von zehn µg/l, der höchste Messwert lag bei 186 µg/l.

Die Bleigehalte im Schwebstaub betragen auf dem Land 10 ng/m3 und im städtischen und industriellen Bereichen bis zu 70 ng/m3, wobei auch Spitzenwerte bis zu 300 ng/m3 möglich sind. Trinkwasser enthält normalerweise unter 2 µg/Liter, höhere Konzentrationen bis 100 µg/Liter können in Haushalten mit Bleileitungen auftreten.

V. Stoffdaten
Chemische Abkürzung von Blei: Symbol Pb (lat.: plumbum), Ordungszahl (Protonenzahl): 82, Atommasse: 207,20, Schmelztemperatur in ° C: 327,5 Siedetemperatur in °C: 1725, Dichte in g/cm³ : 11,4.
Blei ist chemisches Element der IV. Hauptgruppe und ist ein an frischen Schnittstellen bläulich glänzendes, weiches (mit dem Fingernagel ritzbares) Schwermetall.

Grenzwerte für Blei sind u. a. in der Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten zu finden, die den Bleigehalt auf 1000 ppm vorschreibt; bei Verpackungen beträgt der Grenzwert sogar 100 ppm.
  • Trinkwasser: 40 µg; ab 1. Dezember 2003: 25 µg/l,
    ab 1. Januar 2013: 10 µg/l nach der neuen Trinkwaserrichtverordnung
  • Luft: MIK (nach VDI-Richtlinie 2310): 2 µg/m3
  • TA-Luft: 5 mg/m3 Emission und TA-Luft: 2 mg/m3 Immission
  • MAK-Wert beträgt 0,1 mg/m3

Blei: CAS-Nummer: 7439-92-1 und EINECS: 231-100-4


BLEI

fossil = 0 %
mineralisch = 100 %
metallisch
nachwachsend = 0%

 


 VI. Literatur und Quellen

  • Das KATALYSE Umweltlexikon, 2. Auflage Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 1993, seit dem Jahr 1997 gepflegt und ständig erweitert als Online-Umweltlexikon, KATALYSE Institut Köln 2006
  • Bahadir, M./Parlar,H./Spiteller, M.: Springer Umweltlexikon; Springer Verlag, Hamburg 2000
  • Baier, E.: Umweltlexikon; Ponte Press Verlags GmbH, Bochum 2002
  • Karcher, R. Jakubke, H.: Lexikon der Chemie; Studienausgabe, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1998
  • Römpp, H./Falbe, J./Regitz, M .: Römpp Lexikon Chemie, 10. Auflage, Thieme Verlag Stuttgart 1996-1999
  • Ullmann 1987: Ullmann`s Encyclopedia of Industrial Chemistry, Fifth Completely Revised Edition, Vol. A 10, Weinheim

Stand: 13. Februar 2012
Erstellt: 13. Februar 2012

Weiterführende Informationen:

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