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Als L. werden Tierhäute bezeichnet, die durch chemische Behandlung (Gerben) fest, flexibel, dehnbar, porös und haltbar gemacht werden. L. hat durch seine faserig-poröse, luftdurchlässige Struktur die Fähigkeit bis zu 28% seines Eigengewichts an Wasserdampf zu absorbieren und wieder abzugeben. Dies kombiniert mit weitgehend wasserabstoßenden und wärmeisolierenden Eigenschaften und einer relativ guten Festigkeit. Überwiegend werden zur Lederherstellung die Häute von Rindern, Kälbern, Schweinen und Ziegen verarbeitet, je nach geplanter Verwendung oder auch aus regionalen Gegebenheiten kommen auch Häute von Pferden, Kängurus, Rotwild, Robben, Walrössern und Reptilien zum Einsatz. Die für die Lederherstellung vorgesehenen Tierhäute werden vor dem Transport zu den Gerbereien getrocknet oder mit Salzlösungen konserviert. Heutzutage werden immer häufiger gekühlte Transportmittel eingesetzt, da die Häute so weniger Schaden an der Oberfläche nehmen.

{b1}

O = Oberhaut
L = Lederhaut
U = Unterhaut
B = Blutgefäße
S = Schweißdrüsen
F = Fett


Vor dem Gerbprozess müssen die Häute gewaschen und von Oberhaut sowie anhaftenden Resten der Unterhaut befreit, die Lederhaut ergibt das spätere L. Hierzu werden die Häute einer alkalischen Weiche unter Zusatz von Enzymen unterzogen, in der wasserlösliche Eiweißstoffe und Fette herausgelöst und abgebaut werden. Darauf folgt das sogenannte Äschern, eine Behandlung mit Gemischen aus Kalkmilch und Natriumsulfid. Im Anschluss kann auf Grund der Zerstörung der weichen, wasserreichen Schicht I der Oberhaut, Schicht II samt Haaren leicht mit einem Messer oder maschinell entfernt werden. Früher wurde für diesen Arbeitschritt Holzasche verwendet, die ebenfalls alkalisch wirkt und so die Oberhaut-Schicht I ebenfalls erweicht. Auch der Prozess der Haarlockerung wird durch den Zusatz von Enzymen unterstützt. Die letztendlich von Ober- und Unterhaut befreite Lederhaut (Blöße) wird durch Behandlung mit Säuren von anhaftenden Kalkresten befreit und gebeizt um die Haut glatt, weich und biegsam zu machen. Im eigentlichen Gerbprozess werden die Eiweißmoleküle der Tierhaut unter Einwirkung der Gerbstoffe vernetzt und so umgebaut, dass sie anschließend weder austrocknen noch faulen. Die am in der heutigen Zeit am häufigsten verwendeten Gerbverfahren sind die Mineralgerbung (v.a. Chromgerbung) und das pflanzliche Gerben (Loh- oder Rotgerberei).

Ein grundlegendes Problem bei Lederprodukten sind die verwendeten Konservierungsmittel. Da die frischen Häute wegen ihrer Fett- und Proteinreste besonders anfällig für einen Befall mit Schimmelpilzen oder Fäulnisbakterien sind, werden sie mit z.T. kresolhaltigen Salzlösungen haltbar gemacht. Unter günstigen Voraussetzungen können die frischen Häute per Kühltransport zu den Gerbereien gebracht werden, eine zusätzliche Konservierung ist in diesem Fall nicht notwendig. Bei Lederwaren aus Übersee verschärft sich die Konservierungs-Problematik, da auf Grund des feuchtwarmen Klimas und schlechterer hygienischer Verhältnisse häufig schon während der Gerbung Konservierungsstoffe oder Antipilzmittel eingesetzt werden. Darüber hinaus werden die fertigen Produkte, häufig auf Drängen der Versicherer, zum Schutz vor Stockfleckenbildung beim Transport zusätzlich konserviert. Dies hat zur Folge, dass das früher zur Konservierung eingesetzte Pentachlorphenol (PCP), obwohl es wegen seiner toxischen und krebserregenden Wirkung seit 1989 in Deutschland verboten ist, immer noch in importierten Lederwaren nachgewiesen werden kann.

In gefärbten L. lassen sich häufig weitere Problemstoffe identifizieren, hierzu gehört beispielsweise die Gruppe der Azofarbstoffe, welche insbesondere bei billigen dunkelgefärbten Ledern Anwendung finden. Azofarbstoffe können krebserregende Spaltprodukte bilden, sind jedoch in Deutschland nach dem Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz nur für solche Produkte verboten die „nicht nur vorübergehend mit der Haut in Kontakt kommen", also z.B. für Lederpolster durchaus zulässig.

Die verstärkte Nutzung der Chromgerbung birgt weitere gesundheitliche Risiken. Reste der verwendeten Chrom-(III)-Verbindungen können aus dem L. herausgelöst werden und bei sensiblen Personen Allergien auslösen. Es ist darüber hinaus nicht auszuschließen, dass unter ungünstigen Bedingungen die um das 1.000-fache toxischern und zudem krebserregenden Chrom-(VI)-Verbindungen entstehen. Grundsätzlich sind die Prozesse zur Gerbung und Zurichtung des Leders sind insbesondere auf Grund des immensen Wasserbedarfs und der Verwendung von Schwermetallen auch ökologisch nicht unbedenklich. In Europa sind Gerbereien meist standardmäßig mit eigenen Kläranlagen ausgerüstet, die anfallenden Chromschlämme können nur auf Deponien abgelagert oder verbrannt werden.

Die pflanzliche Gerbung birgt zwar ebenfalls die Problematik hohen Wasserbedarfs und die Notwendigkeit zur Klärung der hochgradig organisch belasteten Abwässer, allerdings sind die verwendeten Stoffe biologisch vollständig abbaubar. Unter ökologischen Gesichtspunkten wichtig ist jedoch die Frage nach der Gewinnung der pflanzlichen Gerbstoffe. Ein steigender Bedarf an Pflanzengerbstoffen setzt entsprechende Anbauflächen voraus, die im Falle einer Plantagenwirtschaft mit erheblichen Eingriffen in die Landschaft und den Naturhaushalt einhergehen. So wurden beispielsweise in Paraguay und Argentinien durch den hohen Bedarf an dem „Quebracho“-Gerbstoff, die früher ausgedehnten Trockenwälder fast vollständig vernichtet. Eine Aufforstung fand nicht statt, da bedingt durch das extrem langsame Wachstum eine Neuanpflanzung bzw. ein planmäßiger Anbau aus ökonomischen Gründen nicht rentabel erschien.

Die Entwicklung alternativer pflanzlicher Gerbstoffe, z.B. aus Rhabarber oder Staudenknöterich, geht jedoch nur langsam voran. Hier ist eine zukünftige Aufgabe die möglichen Erträge an Gerbstoffen in Qualität und Ausbeute durch Züchtungsforschung zu erhöhen, sowie die Wirtschaftlichkeit des Anbaus durch Entwicklungen weiterer Nutzungsmöglichkeiten dieser Pflanzen zu steigern.

Literatur: KATALYSE-Institut für angewandte Umweltforschung, Leitfaden Nachwachsende Rohstoffe, Kapitel Gerbstoffe, C.F. Müller Verlag, Heidelberg, 1. Auflage 1998

Stand: 24. Februar 2012
Erstellt: 21. Mai 2001

Weiterführende Informationen:

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